Krankheitsbilder – Teil 1

Karpaltunnelsyndrom (CTS)

Das Karpaltunnelsyndrom (CTS) beschreibt eine Kompression des Nervus medianus im Bereich der Handwurzel durch ein entzündlich verdicktes Band (Ligcarpi transversum), welches das natürliche „Dach“ des Karpaltunnels darstellt. Die Ursachen für die Entstehung dieses Engpasssyndroms sind mannigfaltig. Neben Entzündungen, Abnützungserscheinungen und Traumen können auch Erkrankungen wie Diabetes, Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) oder Adipositas Auslöser für das Entstehen des Karpaltunnelsyndroms sein. In ca. 40 % der Fälle kann das CTS auch beidseits auftreten. Als Symptome werden häufig neben Schmerzen (auch oft nächtliche Schmerzen), Gefühlsstörungen im Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger beschrieben. Im fortgeschrittenen Stadium kann es zudem zu einem Kraftverlust und lokalem Muskelschwund der „Thenarmuskulatur“ am Daumenballen führen. Gesichert wird die Diagnose durch die Durchführung einer Nervenleitgeschwindigkeit am betroffenen Arm. 

Therapie: lokalen Infiltrationen und Ruhigstellungen mit speziellen Handgelenksschienen. In fortgeschrittenen Stadien sollte jedoch zur Entlastung des Nervs eine operative Sanierung mittels Spaltung des Bandes (Ligcarpi transversum) erfolgen.

Rhizarthrose / Heberdenarthrose / Bouchardarthrose

Hierbei handelt es sich um Arthrosen/Abnützungen im Bereich des Daumensattelgelenks (Rhizarthrose) bzw. in den kleinen Fingergelenken (HeberdenarthroseBouchardarthrose). 

Therapie: Medikation, Infiltrationen mit Anästhetika und Kortikoiden, Versorgung mit speziellen Orthesen, Physio- und Ergotherapie und auch eine Behandlung mit Hyaluronsäure. Nur in sehr schweren, konservativ austherapierten Fällen, kann eine Operation notwendig werden. 

 

Dupuytrensche Kontraktur

In ausgeprägten Fällen kann diese strangartige Einziehung soweit ausgeprägt sein, dass einfache alltägliche Dinge wie Halten von Gegenständen, Autofahren etc. nicht mehr möglich sind, und man dadurch im Alltag deutlich eingeschränkt ist.  

 

Therapie: Als Behandlungsmethode kommt hierbei, neben der Möglichkeit einer operativen Entfernung (partielle Fasziektomie) des Strangs, eine neue Therapie mittels Injektion von Xiapex „Collagenase Clostridium histolyticum“ in den betroffenen Strang erfolgreich zum Einsatz. Hierbei werden Enzyme in den verdickten Strang gespritzt, welcher 24 Stunden später schmerzarm in Lokalanästhesie „gebrochen“ werden kann, was zu einer deutlichen Zunahme des Bewegungsausmaßes führt. 

 

Tendovaginits stenosans (schnellender Finger/Daumen)

 

Beim schnellenden Finger/Daumen führt eine Entzündung der Sehnenscheide der Beugesehne zu einer Verengung im Bereich des Ringbandes, welches die Sehne bei Bewegung des Fingers führt. Neben der Funktionseinschränkung kann es zu ausgeprägten Schmerzen mit lokaler Schwellung kommen. 

 

Therapie:  Zu Beginn kann mit einer entzündungshemmenden Infiltration versucht werden, ein Abschwellen und damit eine Beruhigung der Entzündung zu erreichen. Bei Ausbleiben des Therapieerfolges oder in schweren Fällen ist hier jedoch die operative Befreiung der Sehne mittels Ringbandspaltung die Therapie der Wahl. Dies ist ein kleiner operativer Eingriff, welcher in Lokalanästhesie durchgeführt werden kann. 

 

Handgelenks-Ganglion („Überbein“)

 

Als Handgelenks-Ganglion bezeichnet man eine gutartige Synovialzyste/einen Pseudotumor im Bereich des Handgelenks, ausgehend von einem Gelenkspalt oder einer Sehnenscheide. Die genaue Ursache für die Entstehung eines Ganglions ist bis heute nicht restlos geklärt. Oft ist jedoch eine manuelle Überbeanspruchung vorausgehend. Ein spürbares Ganglion lässt sich oft leicht verschieben und kann je nach Belastung seine Größe verändern. Dieser mit Flüssigkeit gefüllte Balg besitzt oft eine gestielte Verbindung ins Gelenk. Ein Ganglion kann prinzipiell in der Nähe jedes Gelenkes auftreten, kommt jedoch am häufigsten am Handrücken vor. In der Nähe von Nerven kann es durch das Ganglion zum Verdrängen selbiger kommen und dadurch Schmerzen bereiten.  

 

Therapie: Zu Beginn kann versucht werden, das Ganglion zu punktieren und mit Ruhigstellung des betroffenen Gelenks zu behandeln. Sollte dies nicht den gewünschten Erfolg zeigen, kann das Ganglion mit einer kurzen Operation entfernt werden.  

 

Epicondylitis humeri radialis/ulnaris (Golferellenbogen / Tennisellenbogen)

 

Beim Tennisellenbogen (Epicondylitis humeri radialisbzw Golferellenbogen(Epicondylitis humeri ulnaris) handelt es sich um eine Insertionstendinopathie (Ansatzentzündung) der Streckmuskulatur bzw. Beugemuskulatur der Finger und Hand, welche ihren Ursprung am Ellenbogen hat. Im Falle des „Tennisellenbogens“ sind, entgegen der Annahme, mehr „nicht sportliche“ Personen, welche repetitiven Bewegungsmustern mit vermehrter Belastung der Streckmuskulatur (z.B. vermehrte Computertätigkeit) ausgesetzt sind als „sportausübende“ Personen betroffen. Die Beschwerden äußern sich meist in zunehmenden Schmerzen am äußeren Ellenbogen, mit deutlichem Druckschmerz sowie bei bestimmten Bewegungen in den Fingern und der Hand. In manchen Fällen können die Beschwerden derart massiv werden, dass Dinge des alltäglichen Lebens, wie z.B. das Tragen einer Einkaufstasche, schmerzbedingt unmöglich werden. Ähnlich verhält sich der sogenannte Golferellenbogen im Bereich des inneren Ellenbogens, welcher jedoch sehr viel seltener auftritt.  

 

Therapie: Physiotherapie, Dehnungsübungen, lokale Infiltrationen sowie analgetische und entzündungshemmende Medikamente. Weiters zeigen die ACP-Therapie sowie eine Stoßwellentherapie gute Erfolge.  

Sulcus nervi ulnaris Syndrom

 

Beim Sulcus nervi ulnaris Syndrom handelt es sich um ein Engpasssyndrom des Nervus ulnaris im Bereich einer anatomischen Enge/Rinne (Sulcus) im Ellenbogen. Allgemein bekannt ist diese Enge als „Musikantenknochen“. In diesem Bereich ist der Nerv kaum geschützt und daher sehr anfällig für Traumen und Druckschäden. Als Beschwerden nennen Patientinnen/Patienten einen schleichenden Beginn mit Kribbelgefühl, Ameisenlaufen und  „Einschlafen“ vor allem von Ring und Kleinfinger. Zur Sicherung der Diagnose kommt, neben der klinischen neurologischen Untersuchung, eine Nervenleitgeschwindigkeitsmessung zum Einsatz. 

 

Therapie: Zu Beginn helfen häufig die Schienung des betroffenen Armes und dieTherapie mittels abschwellender und entzündungshemmender Medikamente. Bei Beschwerdepersistenz kann jedoch auch eine operative Freilegung und evtl. Verlagerung des Nervs zu einer Druckentlastung und dadurch zur Heilung führen. 

 

Omarthrose (Schultergelenksarthrose)

 

Ursächlich für die Omarthrose (Schulter), welche wesentlich seltener als die Coxarthrose (Hüfte) oder Gonarthrose (Knie) auftritt, sind einerseits altersbedingte Abnützungen bzw. posttraumatisch (einem Unfall geschuldet) oder krankheitsbedingt (z.B. Oberarmkopfnekrose) hervorgerufene Schäden. Dabei kommt es zu einem teilweisen oder kompletten Verschleiß des Gelenksknorpels, welcher sich in zunehmenden Schmerzen und Bewegungseinschränkung mit teilweise komplettem „Einsteifen“ der Schulter („Frozen Shoulder“) äußern kann.  

 

Therapie: Zu Beginn der Erkrankung lässt sich die Omarthrose sehr gut konservativ mittels Gabe von entzündungshemmenden und schmerzlindernden Medikamenten, Infiltrationen ins Gelenk mit Hyaluronsäure sowie mit Lokalanästhetika und Cortikoiden behandeln. Zusätzlich hilfreich sind die Durchführung einer intensiven Physiotherapie und Krankengymnastik. Sollten sämtliche konservative Therapieversuche langfristig kein gewünschtes Behandlungsergebnis erzielen, kann eine Operation mittels künstlichen Gelenksersatzes erforderlich werden.  

 

Rotatorenmanschettenruptur

 

Als Rotatorenmanschette bezeichnet man den Muskelgürtel, welcher die Schulter umhüllt und das Schultergelenk in seiner Position gegen die Schwerkraft hält und führt. Sie besteht aus 4 Muskelzügen ( M. supraspinatus , M. infraspinatus , M. subscapularis und M. teres minor) und ist für viele Bewegungsabläufe der Schulter verantwortlich. Kommt es durch ein Trauma, entzündungs- oder altersbedingt (degenerativ) zu einem Teil- oder Komplettriss in einem oder mehreren Muskeln der Rotatorenmanschette, führt dies zu einer deutlichen Bewegungseinschränkung, zu Schmerzen und Kraftminderung in der betroffenen Schulter. Neben der klinischen Untersuchung bedarf es zur sicheren Diagnosestellung meist einer Untersuchung mittels MRT und/oder Ultraschall.  

 

Therapie: In einigen Fällen kann jedoch nur eine operative Versorgung mittels Naht der Rotatorenmanschettenruptur zur Beschwerdefreiheit führen. Sollte dies notwendig sein, werde ich Ihnen gerne erfahrene Kolleginnen/Kollegen empfehlen, die sich auf die operative Behandlung der Schulter spezialisiert haben.  

 

Bursitis subacromialis, subdeltoideus (Schleimbeutelentzündung an der Schulter)

 

Schleimbeutel (Bursen) sind an mehreren Gelenken im Körper vorkommend und haben im Wesentlichen die Funktion, das bewegte Gewebe (Muskeln, Sehnen, Knochen) an mechanisch hoch beanspruchten Stellen zu schützen und zu puffern. An der Schulter findet man hier 4 bedeutende Bursen, welche sich im Falle einer Überbelastung der Schulter (meist durch Arbeit oder Sport) entzündlich verändern können. Aber auch seltenere Ursachen wie eine rheumatologische Erkrankung, Gicht oder eine Infektion mit bakteriellen Erregern können Auslöser für die Erkrankung sein. Dabei kommt es zu einer Füllung und zugleich Schwellung des betroffenen Schleimbeutels, welche meist folglich eine Enge im Schultergelenk und daraus resultierend eine Einklemmsymtomatik hervorruft. Die Beschwerden äußern sich meist sehr rasch in einer deutlichen Bewegungseinschränkung. Neben massiven Schmerzen, kann es lokal zu einer Schwellung und Überwärmung der betroffenen Schulter kommen. 

 

ISG-Blockade / Facettengelenksblockade

 

Der Begriff der Blockade/Blockierung kommt ursprünglich aus der Manualtherapie und beschreibt eine Einschränkung in der Beweglichkeit eines Gelenkes in eine bestimmte Richtung. Die Ursache dafür ist bis heute nicht restlos geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass es sich dabei um eine Schmerzantwort von lokalen Rezeptoren auf ein störendes Ereignis handelt. Dies kann eine Überbeanspruchung, Abnützung oder Entzündung sein. Für die Patientin/den Patienten äußert sich das meist in einer deutlichen Bewegungseinschränkung des betroffenen Gelenks, Schmerzen lokal oder mit Ausstrahlung in die Umgebung, Überwärmung sowie lokalen Muskelverhärtungen.  

Therapie: Blockaden können sehr gut der manuellen Therapie zugeführt und mittels Mobilisierung und Manipulationen der betroffenen Gelenke erfolgreich behandelt werden. Unterstützend, vor allem im akuten Stadium, helfen schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente, Infiltrationen und Infusionen. Begleitend sollte eine physikalische Therapie begonnen werden.